Digital Detox leicht gemacht – Wie du deine Handyzeiten reduzierst

Wie oft am Tag schaust du auf dein Smartphone? 10 Mal, 20 Mal oder 65 Mal? Im Durchschnitt schauen wir 88 Mal am Tag auf unser Handy. Ob E-Mails, Surfen im Internet, WhatsApp-Nachrichten, SMS oder Telefonieren – für die meisten Menschen ist das Smartphone ihr steter Begleiter und nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Ist das noch gesund? Immer mehr Menschen wünschen sich Offline-Zeiten und wollen ihre Smartphonenutzung reduzieren. Der Modebegriff dafür heißt Digital Detox.

Wie Süchtige schauen wir am Morgen zu allererst, ob wir neue Nachrichten haben und auch abends gilt der letzte Blick bei vielen Menschen dem Smartphone.

Beim Warten, im Zug, in der Mittagspause und bei Treffen mit Freunden verschanzen wir uns hinter ihm. Die reale Welt läuft an uns vorbei; während wir auf unser Display starren.

Ich weiß wovon ich spreche, denn mir geht es genauso.

Zunehmend nervt es mich jedoch. Mich stresst der ständige Griff nach dem Smartphone, das ewige Checken von E-Mails und Nachrichten. Wenn ich eine Stunde nicht auf mein Handy geschaut habe, werde ich ganz kribbelig, weil ich mich auf all die neuen Nachrichten freue und Angst habe etwas Wichtiges verpasst zu haben.

Mich stresst diese ständige Erreichbarkeit. Sie macht mich nervös.

Mehr und mehr fühle ich mich abhängig von meinem Smartphone und das möchte ich ändern.

Mit gezielten Auszeiten von Handy und Internet werde ich Abhilfe schaffen. Schließlich war ich auch schon auf der Welt als es das alles noch nicht gab.

Wie bei allen suchtähnlichen Verhaltensweisen stecken auch hier Ängste dahinter.

Daher habe ich mir die Frage gestellt: Warum schaue ich eigentlich so oft auf mein Smartphone? Was verspreche ich mir davon?

Die Antworten waren interessant. Ich konnte gleich mehrere Beweggründe ausfindig machen:

  1. Der Wunsch nach Zugehörigkeit
  2. Der Wunsch nach Sicherheit
  3. Ein Erfolgsstreben
  4. Der Wunsch beliebt zu sein

Was bewegt dich dazu, dein Smartphone stets im Blick zu haben?

Sobald ich auf mein Handy verzichte und mehrere Stunden offline bin, zeigen sich hinter diesen Bedürfnissen Ängste.

Aus dem Wunsch nach Zugehörigkeit entspringt die Angst, nicht mehr dazu zu gehören, wenn ich mein Handy seltener nutze. Schließlich verbindet mich mein Smartphone mit der Außenwelt. Ich kann mit meinen Freunden in Kontakt sein, wenn ich auf der Arbeit bin und ich bin immer über die Aktivitäten in bestimmten Gruppen auf dem Laufenden.

Des Weiteren fürchte ich mich davor, dass etwas passiert sein könnte und ich gerade dann nicht erreichbar bin. Hier greift mein Bedürfnis nach Sicherheit.

Ein anderer Aspekt hat mit meinem Beruf zu tun. Als Freelancer und Selbstständige muss ich ständig für meine Auftraggeber und Kunden verfügbar sein. Zumindest glaube ich das. Meine Angst ist, dass ich einen Auftrag nicht bekomme, wenn ich zu spät antworte oder einen Auftraggeber oder Kunden verärgere. Auch bei meinen Freunden habe ich Angst sie zu verprellen, wenn ich nicht sofort antworte.

Diese Fragen helfen dir, deine Ängste zu relativieren.

  1. Ist das von mir gefürchtete Ereignis wirklich so gefährlich?
  2. Was ist das Schlimmste, das passieren kann?

Wenn ich mir diese Fragen stelle, wird mir schnell klar, dass es kein Schwarz oder Weiß gibt, sondern der Mittelweg zählt.

Beispielsweise: Wenn ich meinen Kunden tagelang nicht antworte, sind sie wahrscheinlich verärgert und ich werde den Auftrag vielleicht nicht bekommen. Jedoch muss ich auch nicht sofort antworten, sondern kann mir ein Zeitfenster von 24 Stunden setzen.

Diese Erkenntnis entspannt mich. Ich muss also nicht immer erreichbar sein. Sondern es reicht aus, wenn ich E-Mails und Nachrichten zweimal am Tag abrufe und dann antworte.

Emotionen in handyfreien Zeiten

Wenn du dir eine Sucht abgewöhnen möchtest, werden in der ersten Zeit des Verzichts Emotionen auftauchen. So ist es auch in handyfreien Zeiten. Das können Ängste, Nervosität oder Wut sein.

Diese manchmal sehr intensiven Gefühle vermitteln den Eindruck, dass du dein Handy unbedingt brauchst. Um durchzuhalten ist es wichtig, darüber Bescheid zu wissen und auf deine Gefühlsregungen zu achten.

Ich werde nach einer gewissen Zeit nervös und habe Angst etwas Wichtiges zu verpassen oder jemanden zu verärgern. Diese Erkenntnis alleine ist sehr wertvoll. Denn sie zeigt mir den Kern meines Handygebrauchs und ich kann mich darauf einstellen.

Möchtest du deine Handyzeiten reduzieren?

Setze dir am Anfang die Zeitspannen nicht zu lang. Ich lasse mein Handy beispielsweise beim Joggen, Spazierengehen und Einkaufen zu Hause. Während der Arbeit versuche ich nur einmal alle zwei Stunden draufzuschauen.

Darüber hinaus habe ich die Benachrichtigungsfunktion für SMS und die meisten Apps ausgeschaltet. Bei WhatsApp sind für alle Gruppen und einige Kontakte ebenfalls die Benachrichtigungsfunktionen aus.

Meine Erkenntnis aus der Reduktion meiner Handyzeiten ist, dass ich gar nichts verpasse, wenn ich mir Auszeiten vom Smartphone gönne.

Vielmehr gewinne ich etwas Wertvolles dazu: Ich konzentriere mich wieder mehr auf die Welt um mich herum. Komme mit Menschen ins Gespräch, nehme die Umgebung wahr und fühle mich freier.

Jede Sucht macht unfrei.

Wenn ich dann nach einer gewissen Zeit wieder auf mein Handy schaue, bin ich stolz darauf, auch ohne zu können und ich bin sehr viel entspannter.

Um dich zu motivieren hier die angenehmen Nebeneffekte einer handyfreien Zeit:

  • Du bist präsenter und nimmst die Umgebung intensiver wahr.
  • Du bist entspannter.
  • Du bist stolz auf dich, wenn du feststellst auch ohne Smartphone klar zu kommen.
  • Du kommst mehr zu dir.
  • Du stärkst deine Intuition.
  • Du wirst kommunikativer.
  • Du setzt positive Grenzen. Für viele hochsensitive Menschen ist die fehlende Abgrenzung ein großes Thema. Im Prinzip ist die ständige Erreichbarkeit auch ein Mangel an Abgrenzung.
  • Du bist kreativer.
  • Du hast mehr Zeit.
  • Du fühlst dich freier.

Welche positiven Erfahrungen machst du in deinen handyfreien Zeiten?

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