Die dunkle Nacht der Seele – vom Umgang mit Trauer

Wie eine innere Leere und Hoffnungslosigkeit legt sich die Trauer über deine Seele. Die Helligkeit schwindet und nur noch Dunkelheit scheint einen Platz zu haben. Wo eben noch eine Perspektive war, ist jetzt ein großes Nichts. Ein Loch, in das du unaufhaltsam zu fallen drohst. Eines, dessen Boden du nicht sehen kannst. Gleichzeitig fürchtest du dich vor dem Aufprall.

Würde dich doch nur jemand retten aus diesem elenden Gefühl der Traurigkeit! Wenn doch endlich jemand käme und dich aus ihr befreien würde. Jemand, der das Licht anmacht und den Spuk endlich vorbei sein lässt.

Leider kann es keiner für dich tun.

Wenn du traurig bist, dann ist dort diese Leere und Perspektivlosigkeit. Du weißt nicht wie es weitergeht und, ob du jemals wieder glücklich sein kannst. Jemals wieder lachen und dich dem Leben öffnen kannst.

Dabei ist Trauer eines der heilsamsten Gefühle überhaupt.

Wenn du dich darauf einlässt und dir erlaubst, die Dunkelheit und das große schwarze Loch zu spüren, kann sie dir ihr Geschenk offenbaren. Jede Träne, die du fließen lässt, heilt.

Trauer kann manchmal tage- und wochenlang dauern. Indem du nicht gegen sie kämpfst, sondern ihr annehmend gegenüberstehst, befreist du sie.

Zerplatzte Träume können ebenso eine tiefe Trauer auslösen wie unerwiderte Liebe, der Verlust eines geliebten Menschen oder Tieres.

Trauer kann auch aus heiterem Himmel, scheinbar ohne äußeren Grund, kommen. Alte Verletzungen, die du unter den Teppich des Unterbewusstseins gekehrt hattest, werden dir bewusst und brechen sich Bahn. Dir wird schmerzlich deutlich, dass dein Leben nicht so läuft wie du es gerne hättest und du an einigen Schrauben drehen musst.

Was ist das Geschenk der Trauer?

Trauer ist ein Wundheilungsprozess der Seele.

Wenn du wirklich um etwas Verlorenes, und sei es nur eine Hoffnung, trauern kannst, beginnst du die Erfahrung zu verarbeiten und schaffst Raum für Neues. Es ist wichtig seinen Tränen freien Lauf zu lassen und sich eine Phase der bewussten Trauer zu gönnen.

Dafür brauchst du Mitgefühl mit dir und den Mut, die Trauer nicht als Schwäche anzusehen – sondern als Prozess einer tiefen inneren Reinigung.

Wenn du dich der Trauer verschließt, kannst du das Geschenk, das am Ende auf dich wartet, nicht in Empfang nehmen. Du bleibst gefangen in einem Zustand der depressiven Verstimmung und der Unzufriedenheit.

Trauer zu erlauben braucht Mut.

Den Mut zu weinen, den Mut der Hoffnungslosigkeit und Leere ins Gesicht zu blicken und den Mut, dich selbst in diesem Zustand anzunehmen.

Jede einzelne Träne, die du vergießt ist eine, die dich befreit und dir Heilung schenkt. Manchmal scheint es, als würde der Fluss einfach nicht versiegen. Als könntest du nicht mehr aufhören zu weinen, wenn du erst einmal damit angefangen hast.

Da ist eine Angst, für immer im Zustand der Traurigkeit gefangen zu sein. Weil du kein Licht siehst. Diese Angst ist verlockend und lässt dich vor der Trauer zurückschrecken und gegen sie ankämpfen.

Sobald du dich für die Trauer öffnest, wandelt sie sich. Vielleicht wirst du weinen müssen, vielleicht auch nicht. Vielleicht wirst du auch ein paar Tage traurig sein.

Doch gelebte Traurigkeit ist ein heiliges Gefühl. Wenn du wirklich traurig warst, fühlst du dich danach offen. Du bist weicher und offener. Wie nach einer Katharsis. Du befindest dich in dem Zustand der Verletzlichkeit, hast einen Schutzpanzer schmelzen lassen und Verletzungen aufgelöst.

Mit der Zeit fällt es dir leichter wieder Licht zu sehen und du wirst dich stärker – geheilter fühlen.

Ich sage nicht, dass es schön oder angenehm ist. Trauer zu empfinden ist immer schmerzhaft.

Doch, wenn du dich der Trauer öffnest, tauchst du in einen heiligen Zustand der Offenheit und Verwundbarkeit ein.

Es tut gut verwundbar zu sein. Du bist am Leben. Solange du am Leben bist, wirst du verletzlich sein. Du wirst Dinge verarbeiten und betrauern müssen.

Den Widerstand aufzugeben, lässt dich wachsen und mehr Liebe für dich selbst und deine Mitmenschen empfinden können.

 

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