Heilsame Abgrenzung – Zwischen Verbundenheit und Individualität

Einerseits sehnst du dich nach Verbundenheit und dem Gefühl eins mit anderen Menschen zu sein. Doch auf der anderen Seite wünschst du dir mehr Abgrenzung, um von den Gefühlen und Meinungen anderer Menschen nicht vollkommen vereinnahmt zu werden.

Als hochsensitiver und erwachender Mensch fällt es dir mitunter schwer, zwischen den eigenen Emotionen und denen anderer zu unterscheiden.

Ich kenne es von mir selbst, dass ich manchmal nach Gesprächen völlig durch den Wind bin und Tage brauche, um in mein Gleichgewicht zurückzufinden. Dies ist meist dann der Fall, wenn ich etwas besonders gut machen und dem anderen gefallen oder ihm irgendwie helfen will.

Wenn du dies von dir selbst kennst, wirst du dir schon manches Mal ein stärkeres Schutzschild gewünscht haben.

Was du brauchst, ist eine gesunde Balance zwischen Abgrenzung und Verbundenheit.

Niemand möchte sich in einem anderen verlieren. Genauso wenig möchtest du isoliert sein und den Kontakt zu anderen meiden.

Eine gesunde Abgrenzung gleicht einer Gratwanderung. Oft schwankst du von einem Extrem zum anderen. So kann es sein, dass du zuerst die Verantwortung für einen anderen übernimmst und seine Emotionen ungefiltert aufsaugst, um dich später enttäuscht und erschöpft in die Einsamkeit zurückzuziehen.

Wenn du dich nicht abgrenzen kannst, bist du den Launen, Emotionen und Meinungen anderer Menschen relativ schutzlos ausgeliefert. Du bist stets bemüht die Erwartungen anderer zu erfüllen und vergisst dich dabei selbst total.

Dadurch stauen sich Emotionen auf. Auch, wenn du nach außen hin nett und freundlich bleibst, wird dein Fass immer mehr gefüllt. Du fühlst Wut, Angst, Machtlosigkeit und Trauer. Und verlierst dich dabei selbst immer mehr aus den Augen. Ja, du weißt nicht mehr um deine eigenen Bedürfnisse.

Besonders im spirituellen Bereich sind Menschen geneigt, anderen gute Ratschläge zu geben und zu helfen wo es nur geht. Du bist sogar bereit, ihre Last auf deinen Schultern zu tragen.

Hauptsache du hast etwas Gutes getan. Doch, wenn du ehrlich mit dir selbst bist, erwartest du dafür eine Gegenleistung: Sei es Dank oder, dass der andere umsetzt was du empfohlen hast. Du gibst aus einer Bedürftigkeit heraus. Da musst du schonungslos ehrlich mit dir selbst sein.

Ich kann mich noch gut an eine meiner ersten Coachingsitzungen erinnern, die ich mit einem Klienten hatte, der unter großen Ängsten litt. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, seine Ängste in einer Sitzung zu heilen. Ich übernahm die volle Verantwortung für seine Heilung. Spürte seine Verzweiflung, den Teufelskreis und konnte sehen wo das Problem lag. Doch ich habe es nicht gesagt, weil ich ihn nicht verärgern wollte. Ich wollte ihm gleichzeitig helfen und gefallen. Keine gute Kombination.

Obwohl ich in der Theorie wusste, dass ich mich abgrenzen sollte, gelang es mir einfach nicht.

Noch Tage nach der Sitzung war ich erschöpft und mein Solarplexus hatte sich zusammen gezogen.

Wann immer ich mich von mir wegbewege und die Last anderer zu tragen versuche, lasse ich mich selbst im Stich.

Die eigene Energie bewegt sich unentwegt von mir fort und zu einem anderen hin. Es ist der Versuch, etwas von einem anderen zu bekommen. Schließlich sollen die Energien ausgeglichen sein. Wenn ich gebe, möchte ich bekommen.

Dadurch mindere ich mein eigenes Kraftfeld und verwässere das des anderen. Besonders in der Heilarbeit ist jedoch ein stabiles und klares Energiefeld sehr wichtig.

Durch mangelnde Abgrenzung machst du dich von anderen abhängig und höchstwahrscheinlich wird derjenige dir nicht das geben, was du dort suchst. Es ist, als würdest du in einen luftleeren Raum greifen und nach vorne stürzen.

Manche Menschen werden vielleicht immer neue Erwartungen an dich herantragen und dich aussaugen, andere ziehen sich zurück.

Das tut weh.

Es hat aber auch sein Gutes: Du wirst auf dich selbst zurückgeworfen. Du wirst deine innere Leere spüren und beginnen dich selbst von innen heraus zu nähren. Denn jeder Mensch hat sein eigenes Kraftfeld und eine sprudelnde Energiequelle.

Eine der besten Grundregeln für mein Leben lautet: Bleib bei dir.

Nur bei dir selbst hast du Macht und nur von dort kannst du anderen Menschen wirklich dienen. Ganz ohne dich selbst aufzugeben und bis zur Erschöpfung zu geben.

Du kannst lernen, in deiner Mitte und gleichzeitig vollkommen verbunden zu sein.

Diese Grundregel ist in der Selbstständigkeit und, wenn du mit anderen Menschen arbeitest, Gold wert.

In meinem beliebten Buch gibt es ein komplettes Kapitel zur Abgrenzung (klicke auf das Bild und erfahre Einzelheiten).

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