Warten bis das Neue kommt – Geduld auf dem spirituellen Weg

Ich hasse es Geduld haben zu müssen, denn ich habe keine. Trotzdem scheint gerade diese Tugend auf dem spirituellen Weg eine der wichtigsten Dinge überhaupt zu sein. Obwohl sich im Inneren alles für uns ändert, bleibt dies im Außen oftmals gänzlich unsichtbar. Das liegt daran, dass du Zeit brauchst, um innerlich wirklich bereit zu sein. Erst danach kann sich dein Leben im Außen, also im aktiven Leben, verändern und von dir neu gestaltet werden.

Dabei vollzieht sich die Transformation manchmal extrem langsam.

Ich war schon oft der Verzweiflung nahe und frage mich manchmal wie viel Geduld ein Mensch eigentlich haben kann.

Kennst du die Aussage: Das Alte ist schon weg und das Neue noch nicht da.

Ich hasse diesen Spruch und kann ihn nicht mehr hören. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er leider wahr ist. Allzu wahr.

Wenn du dich auf den spirituellen Weg begibst, haben dich meist Umstände dazu gebracht, die sehr hart und unschön waren. Beispielsweise eine psychische oder körperliche Krankheit, eine Trennung, Drogenprobleme oder was auch immer. Viele Menschen haben wirklich schlimme Sachen erlebt, die nun geheilt werden dürfen.

Der Moment des Erwachens ist manchmal schleichend, wenn du wahrnimmst, dass dein Leben aus dem Ruder läuft und du nach einem tiefen Sinn deiner Existenz suchst. Es kann aber auch ein plötzliches Erweckungserlebnis geben, das alles was bisher war, in Frage stellt.

Egal wie das Erwachen begonnen hat, du möchtest dein Leben ändern. Wünschst dir inneren Frieden, einen Beruf, der dich erfüllt und ernährt, harmonische Beziehungen und körperliche sowie geistige Gesundheit.

All diese Wünsche erfüllen sich jedoch nicht über Nacht, sondern sind Teil eines tiefen inneren Reinigungsprozesses.

Du schnipst nicht mit den Fingern und hast inneren Frieden.

Genauso wenig wachst du morgens auf und hast den Beruf, der dich zutiefst mit Sinn und Freude erfüllt. All dies benötigt deine tiefe Hingabe und du musst wirklich etwas dafür tun.

Oftmals sehen wir nur das Ende und bewundern Menschen, die es bereits erreicht zu haben scheinen. Doch was wir nicht sehen ist, wie viel Arbeit, Hingabe und Schmerz auch in deren Wegen stecken.

Wenn du dir also berufliche Selbstverwirklichung wünschst und dich innerlich bereits von dem alten System und deiner alten Vorgehensweise löst, ist im Außen noch weit und breit keine Alternative in Sicht.

Du musst häufig im alten Job bleiben, obwohl es dich nicht erfüllt.

Eben weil das Neue noch nicht da ist. Das schmerzt, macht total wütend und lässt dich verzweifeln. Denn oftmals fühlst du dich an keinem Platz mehr dazugehörig. Du fühlst dich überall falsch und hast gar keine Gruppe mehr, zu der du gehörst.

Was du nun ganz dringend brauchst ist Geduld.

Doch, wenn es dir wie mir geht, ist Geduld überhaupt nicht deine Stärke. Wenn es nach mir ginge würden all meine Pläne sich sofort und jetzt erfüllen. Ohne jegliche Wartezeit und Verzögerung.

Geduld haben zu müssen macht mich ganz oft einfach nur wütend.

Wie ein kleines Kind könnte ich mit den Fäusten gegen die Wand schlagen und brüllen: „Ich will aber!!!“

Na ja, dem Universum ist das ganz schön egal, wie ich leider feststellen musste.

Wenn ich also meine neuen, inneren Werte und Vorstellungen im Außen sichtbar machen möchte, muss ich, banal gesagt, warten bis die Zeit reif dafür ist.

Ich kann zu diesem Zeitpunkt nicht behaupten besonders gut darin zu sein, aber ich habe mir einige Strategien überlegt, mit denen ich mir behelfen kann. Vielleicht helfen sie auch dir.

Beispiel: Wohlstand und Reichtum

Wenn ich mir beispielsweise mehr Geld wünsche, dann setze ich mich hin und atme damit.

Ich atme Wohlstand, Fülle und Reichtum ein. Währenddessen zeigen sich sehr schnell Blockaden. Manchmal scheint es, als könnte ich kaum einatmen, weil mein Brustkorb so zugeschnürt ist.

Manchmal werde ich richtig wütend oder traurig. All diese Dinge zeigen mir, warum es im Außen noch gar nicht zu einer Realisierung meiner Vision gekommen sein KANN. Denn das Innere ist eben nicht, wie ich dachte, bereit dafür. Im Gegenteil: In mir ist Widerstand gegen Reichtum.

Zum Beispiel das weit verbreitete schlechte Gewissen Geld für etwas zu nehmen was mir Spaß macht. Auch der Irrglaube, dass Geld verdienen nur mit Schweiß und wirklich harter Arbeit möglich ist, machen es mir unmöglich Reichtum LEICHT anzuziehen.

Dies alles nehme ich beim Einatmen von Fülle wahr und kann damit arbeiten. Nach und nach fällt es mir leichter den Gedanken an Reichtum anzunehmen und ich atme und merke wie sich gleichzeitig mein ganzes Energiesystem im Gleichgewicht befindet.

An manchen Tagen jedoch geht gar nichts. Das akzeptiere ich und versuche es wann anders nochmal. Damit kann ich trotz Geduld etwas tun, um meinem Ziel, zumindest innerlich, noch näher zu kommen.

Frei von der Form und den Ideen des Verstandes

Im Moment versuche ich außerdem die Kontrolle über die Form und das Wie meiner Berufung aufzugeben. Wenn ich davon ausgehe, dass meine Berufung aus meinem Inneren kommt und meine Aufgabe auf der Erde beinhaltet, dann muss ich mich frei von den Ideen meines Verstandes machen.

Denn der Verstand kann gar nicht so weit denken. Viele Dinge muss ich einfach geschehen lassen und mich innerlich dafür öffnen. Dazu muss ich Vertrauen haben, dass alles zu meinem besten sein wird, auch wenn es eben doch anders kommt als ich es mir ausgemalt habe.

Das Festhalten an einer Lösung, die der Verstand sich ausgedacht hat, blockiert die Verwirklichung im Außen ganz enorm.

Daher ist Loslassen (auch das ist nicht meine Stärke und ich mag das Wort nicht) so enorm wichtig. Es ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass Neues sich nicht nur in unseren Vorstellungen, sondern eben auch ganz materiell zeigen kann. Sonst ist kein Platz dafür.

Auch, wenn du dich für viele deiner Wünsche innerlich bereit fühlst, musst du doch häufig feststellen, dass es gar nicht wahr ist. Denn oft sind noch Widerstände, Ängste und Anhaftungen in deinem inneren System. Sie haben sich vielleicht gut versteckt oder als überaus wichtig getarnt, doch so sie verhindern eben auch, dass die Geduld irgendwann mal ein Ende haben kann.

Du bekommst genau so viel Zeit wie du brauchst.

Wenn du die Geduld-Phase nutzt, um in dir nach verborgenen Widerständen zu suchen oder einfach schon mal in Mini-Schritten mit der Umsetzung deiner Vision zu beginnen, kannst du sie vielleicht etwas besser aushalten und eventuell sogar verkürzen.

Was machst du, wenn sich im Außen nichts bewegt, obwohl du dich bereit dafür fühlst?

 

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