Fühlen statt Denken – Wie fühlen dein Herz öffnet und dich glücklich macht

Das, wovor wir Angst haben, spielt sich immer in der Zukunft ab. Niemals in der Gegenwart. Ist es im gegenwärtigen Moment überhaupt möglich Angst zu haben? Wenn ich einen tiefen Atemzug nehme und einen Augenblick innehalte, verspüre ich keine Angst. Sondern Ruhe. Stille. Frieden.

Erst, wenn die Gedanken wiederkommen, kommt die Angst erneut.

Oft merke ich nicht, dass meine Gedanken eigenständig ihre Ideen verfolgen. Komplette Filme laufen vor meinen inneren Augen ab. Ohne mein Zutun. Es kommt mir noch nicht einmal merkwürdig vor. Es ist normal, ständig zu denken. Ebenso normal ist es, dass sie sehr oft Angst, Schrecken und Sorgen verbreiten.

Die Welt, die meine Gedanken erschafft, hat nichts mit der Realität, mit dem gegenwärtigen Moment gemein. Für mich ist es normal in der Zukunft zu leben. Es passiert einfach ohne mein Zutun.

In Momenten, in denen ich präsent bin, wird mir klar, dass jeder Gedanke etwas in mir auslöst. Ein Gefühl oder eine Emotion. Angst, wenn ich an etwas Beängstigendes denke und Freude, wenn meine Gedanken etwas Schönes erschaffen.

Was ist zuerst da? Die Emotion oder der Gedanke?

Meiner Empfindung nach, kommt die Emotion zuerst. Die Gedanken spinnen die Emotion weiter und machen etwas Unbeherrschbares daraus. Gedanken haben die Aufgabe mich von Gefühlen zu befreien, die ich als unangenehm empfinde.

Jedenfalls verändert sich mein initiales Gefühl durch mein Denken.

Diffuse Angst wird stärker, Freude wird häufig durch Sorgen ersetzt und Wut wird unterdrückt. Das ursprüngliche Gefühl wäre wahrscheinlich nur durch mich hindurchgezogen. Hätte mich passiert und wäre durch etwas Anderes abgelöst worden.

Mit meinen Gedanken jedoch halte ich das Gefühl fest, umklammere es und mache ein Drama daraus.

Sehr häufig empfinde ich sehr viel gleichzeitig, so dass ich verwirrt und gereizt bin.

Fühlen befreit mich daraus.

Mir ist inzwischen bewusstgeworden: Wenn ich wirklich mit mir und mit anderen in Beziehung treten will, dann muss ich fühlen können. Nur dann spüre ich meinen Körper, spüre mich selbst und erlebe Begegnungen ganz nah.

Ich tauche in mein Leben ein, indem ich fühle.

Kann seine Intensität spüren, ohne davon überwältigt zu werden und das Bedürfnis zu verspüren, mich zurückzuziehen.

Kann Spaß und Freude genauso wie Trauer, Wut und Angst mit anderen teilen und sie genauso schnell wieder entlassen.

Ich verliere die Angst vor meinen Emotionen und erlebe stattdessen eine neue Qualität: Verbundenheit. Ich bin präsent in meinem Leben und in der Lage mit anderen in Verbindung zu treten.

Ich bin nicht länger der perfekte Mensch, sondern ein ganzer Mensch. Mitfühlend und mit offenem Herzen.

Wann immer ich meine Gefühle unterdrücke, spüre ich mehr Angst, mehr Sorgen und vor allem eine große Distanz zu mir selbst und zu anderen Menschen.

Es ist, als wäre ich abwesend in meinem Leben.

Daher nehme ich mir immer häufiger Zeit, um bewusst zu fühlen. Ich beobachte meinen Atem, schaue was ich fühle und benenne es. Einfache Schritte, die eine große Wirkung haben.

Ich durchfühle was sich mir zeigt und erlebe dabei wie schnell sich auch unangenehme Gefühle in Luft auflösen. Manchmal kommen so große Wellen von unangenehmen Gefühlen, dass ich geneigt bin, mich zurückzuziehen. Bleibe ich jedoch präsent, sind diese Gefühle fast im gleichen Moment wieder weg. Angst wird von Wut und Wut von Trauer abgelöst. Immer wieder blitzen Freude, Spaß und Liebe auf.

All diese Emotionen sind sprunghaft und wechselhaft. Sie sind nicht die Wahrheit.

Unsere Schätze und Qualitäten liegen unter diesen Emotionen. Dort finden wir das wahre Sein. Das Ich Bin. Erleben uns als Mitgeschöpfe, die nicht getrennt, sondern eins miteinander sind.

Lange Zeit hatte ich große Angst zu fühlen. Angst, dass zu viel hochkommt und ich nicht damit fertig werde. Das Gegenteil ist der Fall: Sehr schnell empfinde ich eine tiefe Ruhe und weiß inzwischen, dass es sehr, sehr heilsam ist zu fühlen.

Die größte Kunst und Herausforderung besteht darin, nicht zu denken.

Wer wirklich fühlen will, darf in diesem Moment nicht denken.

Fühlen und Denken gleichzeitig geht nicht. Wenn ich mich entscheide zu fühlen, muss ich sehr präsent sein und meine Gedanken anhalten, sobald ich merke, dass sie beginnen in die Zukunft zu wandern.

Wenn du das für dich ausprobieren möchtest, nimm dir fünf oder zehn Minuten Zeit, in der dich niemand stört und erlaube dir zu fühlen. Es ist nicht schwierig.

Frage dich: Was fühle ich im Moment? Wo spüre ich es im Körper? Atme.

Auch, wenn große Emotionsladungen hochkommen; sie sind genauso schnell wieder weg. Sobald du merkst, dass deine Gedanken sich einschalten, lass sie los. Beim Üben habe ich festgestellt, dass ich mit dem Fühlen Emotionen auflösen wollte. Ich hatte das Ziel, dass die Angst weggeht. Das funktioniert allerdings nicht. Der Trick ist, die Angst und alle anderen Emotionen anzunehmen ohne sie auflösen zu wollen. Indem ich atme und nicht denke, kann ich einfach abwarten wie sich meine Emotionen verwandeln.

Buchtipps

Diese beiden Bücher haben mir enorm geholfen wieder fühlen zu lernen und zu erkennen, dass Verbundenheit und Liebe direkt hinter den Wellen der Emotionen liegen. Diese Qualitäten sind in jedem Moment so viel näher als uns bewusst sind.

 

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